Hagiographien verhindern Diskussion
von Arno Tausch
Thilo Sarazzin hat im Profil-Interview für eine eugenische Demographie, also eine nach Erbkriterien gesteuerte Bevölkerungspolitik argumentiert. In Bezug auf Türken ließ er unverschämt mit den folgenden rassistischen Worten aufhorchen: “Jeder Hunde- und Pferdezüchter lebt davon, dass es große Unterschiede im Temperament- und Begabungsprofil der Tiere gibt. Und dass diese Unterschiede erblich sind.” Niemand hat sich bis jetzt gegen diese Aussagen in Österreich gewehrt und Einspruch erhoben. Wo sind die türkischen Politiker, wo sind die Gutmenschen in Österreich? Wie kann man solche Sätze verdauen? Wir sagen: “Guten Appetit!”, aber mein lieber Hund Fabia sagte mir: “Ich erhebe Einspruch! Du Schwein, Sarazzin!”. Sie hat mich davon überzeugt, diesen Artikel zu schreiben, weil sie sich beleidigt fühlt; wie kann man nur Tiere mit Menschen in die gleiche Klasse stellen und in einem Satz verwenden? Ich möchte damit für die Meinungsvielfalt in Österreich eintreten, mittels eines Tropfens auf dem heißen Stein, und will so in aller Höflichkeit meine Gedanken auf Papier bringen.
von Birol Kilic
Die Zeitschrift Profil hat den ehemaligen SPD-Politiker und Ex-Bundesbanker Thilo Sarrazin mit seinem Buch „Deutschland schafft sich ab“ zum Menschen des Jahres 2010 gewählt und in ihrer ersten Ausgabe im Januar 2011 mit einer Titelblattstory belohnt. Knapp fünf Monate sind vergangen, seit der SPIEGEL und das Boulevardblatt BILD erste Auszüge aus Thilo Sarrazins Buch „Deutschland schafft sich ab“ veröffentlicht haben. Seither ist eine Kampagne gegen muslimische Migranten, besonders aber gegenüber Türken, entbrannt. Das Bemerkenswerte an der Debatte besteht darin, dass selbst krudeste Behauptungen aus Sarrazins Buch unangefochten bleiben. Sarrazin selbst hat bereits im März dieses Jahres gegenüber der Süddeutschen Zeitung zugegeben, dass er seine angeblich so aussagekräftigen Statistiken selbst zurechtgebogen hat. Getreu dem Motto: „Glaube keiner Statistik, die du nicht selber gefälscht hast“, erklärte er, wenn man keine Zahlen habe, müsse man solche schaffen, die in die richtige Richtung weisen, und das ist ihm insofern gelungen, als nun allerorten von gewalttätigen muslimischen Jugendlichen und ungebildeten Türken sowie Arabern die Rede ist, die nach der Scharia leben und sich auf Staatskosten ein schönes Leben machen. Kaum jemand tritt Sarrazin ernsthaft entgegen und widerlegt seine angeblichen Fakten.
GEGENWIND
Dabei zeichnen offizielle Statistiken und Untersuchungen ein ganz anderes Bild. „Wenn sie keiner widerlegen kann, dann setze ich mich mit meiner Schätzung durch.“ lässt Sarrazin verkünden. Es existiert kein wissenschaftlich zuverlässiges Verfahren „Geburtenverhalten und Zuwanderung über mehrere Jahrzehnte verlässlich vorherzusagen“, stellt Sarrazin ebenso wie Dr. Martin Kreickenbaum fest, dessen schriftliche Erläuterungen bereits zuvor zum selben Ergebnis führten. Trotzdem wird nun genau dies als Argumentationsgrundlage verwendet, um Ressentiments zu schüren und Angst zu verbreiten. Sarrazin behauptet weiterhin unverdrossen, dass Intelligenz vererbbar sei und auf „rassischen“ Unterschieden beruhe. Er bezieht sich dabei auf das Buch „The Bell Curve“ der Rassisten Herrnstein und Murray, die Anfang der 1990er Jahre die Behauptung aufstellten, dass die Schwarzen in den USA nur deswegen viel stärker von Armut betroffen seien, weil sie im Durchschnitt genetisch bedingt dümmer seien. Die Zeitschrift Profil hat eine bemerkenswert lange Einführung, sowie eine Reportage ohne viele Gegenargumente veröffentlicht, und dazu erstaunlich wenige kritischen Anschauungen fachkundiger Personen oder Wissenschaftler eingeholt. Wir danken Profil dennoch, dass wir als LeserInnen in Österreich einen ausführlichen Überblick über die spontanen Gedanken von Herrn Sarrazin erhalten haben – indem er z.B. Türken mit „Hunde- und Pferderassen“ vergleicht und damit den Grundstein für Vorurteile gegenüber 2,5 Millionen türkischstämmiger Deutscher und 250. 000 Österreicher legt. Sarrazin plädiert in der Profil-Reportage für eine eugenische Demografie, also eine nach Erbkriterien gesteuerte Bevölkerungspolitik, und argumentiert schnoddrig mit Sätzen, wie wir jetzt aus dem Originaltext zitieren: „Jeder Hunde- und Pferdezüchter lebt davon, dass es große Unterschiede im Temperament und Begabungsprofil der Tiere gibt und dass diese Unterschiede erblich sind.“ Er vergleicht Türken, Araber und Muslime mit Tieren. Mit Bezug auf Aussagen solcher Art bezwecke ich besonders, auf den Titel des Buches hinzuweisen, der den potentiellen Leser zu einem falschen Bild von dessen Inhalt verleitet: Es sollte nicht „Deutschland schafft sich ab“ heißen, sondern „Der ewige Türke“ oder „Die Protokolle der Weisen Türken“. Ich würde Sie höflich ersuchen: Bitte lassen Sie die Kirche im Dorf, bevor Sie meinen Artikel lesen. Laut der deutschen Humbold Universität hat Thilo Sarrazin mit seinen Ausführungen Dämme brechen lassen. Die Grenze des Sagbaren hat sich im Zuge der Debatte verschoben und der Diskursraum hat sich bis an den Punkt der öffentlichen Diffamierungen verlagert. Indem über einen vergleichsweise langen Zeitraum über 5% der Bevölkerung Deutschlands unter dem Gesichtspunkt von Ausschlussoptionen, Beweislast und einer sich verstetigenden Zugehörigkeit auf Probe, teilweise sehr abwertend debattiert wurde, drohen die zuvor gemessenen identifikatorischen Integrationserfolgen dieser Gruppe selbst zurückzufallen. Die sich steigende emotionale Zugehörigkeit zu Deutschland, die in den letzten Jahren und speziell im Nachgang der Weltmeisterschaften 2006 und 2010 messbar war und mit Fragen nach Heimat und Zukunftsorten erfragt wurde, ist derzeit argumentativ in weite Teile der „Community“ hinein nicht vermittelbar. Angst, Rückzug, Apathie und Trotz dominieren, auch wenn aktive Bekenntnisse zu „Deutschland als Heimat“ artikuliert werden.
PATHETISCHE ANALYSE
Ist diese analogische Schlussfolgerung nicht die abstoßendste und älteste Form vom Biologischen Rassismus, der gewisse genetische Merkmale zum Zentralpunkt sozialer Probleme macht und diese rassistische Haltung unter dem Deckmantel einer Pseudo-Naturwissenschaftlichkeit als korrekt und triftig zu verkaufen versucht? Solche Thesen haben Rassisten in den USA damals vertreten, als sie behaupteten, dass Schwarzafrikaner den Tieren ähnlicher als den Menschen seien, und dass dies sich dadurch erklären ließe, dass deren Begabungen und Fähigkeiten jenen von Affen ähnlicher sind. Manche hochrangige Politiker fühlen sich sogar heute noch in Anbetracht jüngster Vorfälle in der Weltgeschichte durch solche „Feststellungen“ und „Schlussfolgerungen“ überlegen und stufen sich selbst in Folge als „Sozialingenieure“ ein, so wie es Sarrazin in der Profil-Reportage macht. Sein Ziel ist es, seine antisoziale und biologische Rassismus-Ideologie in Zukunft auf juristische Grundlagen zu stützen und unter Zuhilfenahme verfälschender Statistiken zu untermauern, so wie es in nicht allzu ferner Vergangenheit vorkam → Nationalsozialismus.
Beispiele für Verrechtlichung menschenunwürdiger Normen:
In den Nürnberger Rassegesetzten institutionalisierten die National-Sozialisten (NS) ihre antisemitische Ideologie am 15. September 1935 auf juristischer Grundlage. Dieses beinhaltete das Gesetz zum Schutze des deutschen Blutes und der deutschen Ehre (RGBl. I S. 1146) – das sogenannte Blutschutzgesetz – sowie das Reichsbürgergesetz (RGBl. I S. 1146).
Bezüglich der Sozialdemokratie sollte man jedoch anmerken, dass die NSDAP in Deutschland nicht als rassistisch oder menschenverachtend galt, sondern als „National Sozialistische Demokratische Arbeiterpartei“. Die Begriffe Sozialismus und Arbeiterpartei wurden demnach von den Nazis in Deutschland, Österreich, sowie auf der ganzen Welt dermaßen ausgenutzt, dass sie bis heute in gewissem Ausmaß immer noch vorbelastet sind.
RASSISTISCHE LÖSUNGSANSÄTZE
Durch die Lektüre von Sarrazins Buch werden keine Lösungsansätze angeführt, vielmehr verliert sich der durch mediale Wortmeldungen suggerierte Objektivitätsgehalt hinter einer deutlich volkswirtschaftlich geprägten, den Menschen nach ökonomischen Aspekten wertenden Subjektivität, die Geringverdiener als weniger wertvoll für die deutsche Gesellschaft darstellt. Migranten werden sogar als potenzielle Belastung und Muslime als volkswirtschaftliche Schädlinge dargestellt. Besserverdiener gelten im Gegenzug als intelligenter, wertvoller und berechtigter, Nachwuchs zu zeugen. Die Thesen des Buches sind zudem weitgehend identisch mit Thilo Sarrazins Wortbeiträgen in den Medien und den Vorab-Publikationen der BILD und des SPIEGEL. Es ist daher eher als eine Verkaufstaktik zu bewerten, wenn Sarrazin suggeriert, sein Buch könne nicht verstanden werden, ohne dass man es vorher gelesen habe.
ÖSTERREICHISCH-TÜRKISCHES STATEMENT
Da ich als österreichischer Staatsbürger mit türkischem Hintergrund, als ein kleiner Verleger in Wien lebe, bin ich davon direkt betroffen. Normalerweise hätte ich als streng säkularer Österreicher mit türkischer Abstammung und muslimischem Hintergrund, Sarrazin mit seinen angeblichen antifundamentalistischen Worten womöglich sogar sympathisch finden können. Ich liebe Hunde und Pferde! Seit meiner Kindheit habe ich immer viele Tiere in meiner Umgebung gehabt, sie geliebt und sogar großgezogen. Seit kurzem besitze ich auch einen Mops vom Planeten Venus. Der Hund ist in der Steiermark bei einer berühmten Mops-Züchterin gelandet - wie einst der berühmte E.T. Meine Mopsdame heißt Fabia und ist ein lebendiger, gesunder Mops, der sogar über einen EU-Pass verfügt – genauso wie ich. Also habe ich als austro-türkischer Mensch (wenn Sarrazin mir erlaubt mich als Mensch zu definieren) und mein austro-venusischer Hund etwas gemeinsam – nämlich einen EU-Pass. EU heißt schließlich: „Wertegemeinschaft“. Was für Werte sind das, frage ich mich jetzt? Ich weiß nicht, was für ein „Mensch“ Thilo Sarrazin ist, aber sein Vergleich von Menschen mit Tieren sehe ich als „Nette und böse Hunde“-Klasse – Sie auch?
Auszüge aus dem Profil Interview mit Thilo Sarrazin:
Auf die Frage im Profil, was die Österreicher für ein Volk wären, antwortet Sarrazin wortwörtlich: „Ich möchte den Österreichern nicht zu nahe treten. Sie sind eine Abspaltung vom deutschen Volk.“
Auf eine weitere Frage vom Profil: „Das wird die meisten Österreicher nicht sehr freuen“, erwidert Sarrazin: „Aber sie haben ja selbst 1938 mit großer Mehrheit für den Anschluss an das deutsche Volk gestimmt.“
Der Mann nennt sich selbst als „wahrer Sozialdemokrat“ und möchte mit Rechtsextremismus und der FPÖ nichts zu tun haben, so in der Profil Reportage. Da vergisst der Profil-Journalist plötzlich, dass er ja Sarrazin zu befragen hat und macht eine traurige Bemerkung, wie Profil folgend schreibt: „Das ist leider wahr.“
Nachher stellt Profil die Frage: „Wissen Sie eigentlich, wer Ihre Anhänger in Österreich sind?“ Sarrazin: „Ich habe mich mit der österreichischen Politik nicht befasst. Ich mische mich auch grundsätzlich nicht in innere Angelegenheiten anderer Länder ein. Ich kann aber sagen, dass ich eine Reihe von Einladungen der FPÖ abgelehnt habe.“
Und dann fügt er hinzu: „Ich mische mich grundsätzlich nicht ein.“
Auf die Frage: „Die Morde an Abtreibungsärzten in Amerika würden Sie aber nicht als Beleg für eine dem Christentum inhärente Gewaltbereitschaft heranziehen, oder?“, gibt Sarrazin folgende Antwort:„ Ich rede hier nicht über die USA, sondern über Europa. Ich schreibe auch: „Keine andere Religion tritt in Europa so fordernd auf.“
An diesem Punkt beginnen bei mir die Alarmglocken zu läuten. Was ist wahr? Ich möchte es wirklich erklärt haben. Was hat Deutschland und Österreich aus der Geschichte gelernt? Welche „Werte“ sind wichtig für Deutschland und Österreich? Ab jetzt überlege ich als Österreicher – lassen wir meine türkische Abstammung einmal beiseite – mit was für einem Menschen es wir hierbei zu tun haben. Wie haben Sie die Aussage von Sarrazin bezüglich der FPÖ nun interpretiert? Ist das eine Drohung? Die FPÖ ist eine legitime, von Östereicher/-innen gewählte Partei. Warum lehnen Sie die Einladungen der FPÖ in Österreich ab, Herr Sarrazzin? Was ist dies für eine Doppelmoral? Man muss das Buch von Thilo Sarrazin nicht gelesen haben, um die abwertenden, diffamierenden Thesen, speziell in Bezugnahme auf „die Muslime“, wahlweise auch auf „die Türken und Araber“ nachvollziehen oder rechtfertigen zu können. Auch nach intensiver Lektüre bleiben sie tendenziös und pauschal abwertend. Die FPÖ ist zumindest ehrlicher als der deutsche Sozialdemokrat Sarrazin. Zumindest wissen wir bei der FPÖ, wo wir stehen. Er sagt, er mische sich auch grundsätzlich nicht in innere Angelegenheiten ein – diese Antwort kennen wir von Diktatoren. Diktatoren, die in ihrem eigenen Land Menschen ausnutzen, foltern, plündern, verfolgen und welche Korruption und Faschismus betreiben. Sie sagen, dass sie sich nicht in Angelegenheiten anderer Länder einmischen würden, damit sich niemand in ihre Angelegenheiten bis zu ihren Genen einmischt. Der gute Sarrazin mischt sich aber sehr wohl in die inneren türkischen Angelegenheiten ein und vergleicht türkische und arabische Gene mit denen von Tieren. Er diffamiert und hetzt Deutsche gegen Türken und Türken gegen Deutsche auf, äußert unmögliche Sätze über die Abspaltung vom deutschen Volk und den Anschluss von 1938. Was würden Sie mit so einem arroganten, angeblichen Bildungsgutbürger tun? Eine tolle Frage und eine tolle und bekannte Ausstiegsmethode: „Ich rede nicht von USA, ich rede von Europa“. Man fragt sich natürlich, ob der Herr Sarrazin derselben Logik nachginge, wenn es sich um mögliche Terrorattacken von Radikalislamisten in Europa handeln würde. Würde er etwa sagen, „9/11 war doch in den USA, wir sprechen aber von Europa.“ Unter „ortspezifisch“ im politischen Diskurs versteht man etwas ganz anderes. Radikale Anhänger sind radikale Anhänger, egal wo sie sind und zu welcher Religion sie gehören. Es muss ja nicht so schwer sein, sich zumindest das einzugestehen.
VERZERRTE ERSCHEINUNGSBILDER
Sarrazin möchte sich von seiner nationalitätsbedingten Dummheitsauffassung nicht abhalten lassen, und um diese uns bereits bekannte These aufrechtzuerhalten, hat er genau recherchiert wie gut die türkischstämmigen Schüler beim PISA-Test gepunktet haben, so dass seine These aufrechterhalten bleibt: Dummheit hängt von der Zugehörigkeit zu einer Religion oder Nation ab, und nicht von politischen, klassengesellschaftlichen oder sozialpolitischen Mängeln. Beweis? Vergleicht bitte die Ergebnisse der türkischen Schüler in der Türkei und in Deutschland. Die sind gleich! Ergo:„Je weniger türkische Schüler in Schulklassen, desto höher die PISA Ergebnisse.“ Schamlos vertritt Sarrazin die These, dass der letze Aufstieg deutscher Schulen irreführend sei, da der schlechte Durchschnitt der Türkei den jedes anderen Landes in der Wertung höher erscheinen lässt, als er tatsächlich ist. Wenn man diese Aussage liest, merkt man ganz deutlich, dass man den Herrn Sarrazin von seiner nationalitätsbedingten Dummheitsauffassung nicht abhalten kann. Es ist und bleibt eine klinische Sturheit. Das - und damit eine Kernthese seines Buches - wurde von den Wissenschaftlern widerlegt, indem die soziale Unterschicht ohne Migrationshintergrund jener mit Migrationshintergrund gegenübergestellt wurde. Hierbei hat sich gezeigt: Die letztere ist dynamischer und steigt im Laufe der Generationen sogar eher auf, als die erste. Sarrazin vermischt seine scheinbar „so genaue Analyse“ mit einem generellen Unwillen und Abneigung gegen das Erscheinungsbild der neuen Deutschen. Die Konsequenz davon ist, dass er letztlich mit Zahlen beweisen möchte, dass diese subjektive Abneigung objektiv begründet werden kann.
HUMAN-RESSOURCES
Schon vor 10 Jahren hat es sich in Teilbereichen von Ökonomie und Politik eingebürgert, Menschen als Ressourcen zu werten. Es ist eine absurde Vorstellung, dass es sich bei Menschen um Ressourcen handle, nicht ohne Grund gibt es heute das abstoßende Wort „Human-Ressources“. Diese Wirtschaftssprache fließt bei Sarrazin ein und sie zeigt ihren ganzen menschenverachtenden Hintergrund, indem sie darauf hinausläuft, dass ein Teil der Bevölkerung als unbrauchbare oder schlechte Ressource für das globale Wirtschaftssystem bewertet wird. Aufgabe der Politik soll es nun sein, für solche Probleme Lösungen zu finden, ohne dabei nach Sündenböcken in der Bevölkerung zu suchen und um der Zerstörung jeder sinnvollen Politik vorzubeugen.
Tendenzielle Analyse des Zugehörigkeitsgefühls von Zuwanderern (2009/2010):
Der „Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration“ (SVR) hat eine Befragung zum Zusammenleben in der Einwanderungsgesellschaft durchgeführt. Das Ergebnis: "Zuwanderer blicken mit weniger Zuversicht auf das Zusammenleben in Deutschland, als noch vor einem Jahr". Für die vergleichende Umfrage der Jahre 2009 und 2010 wurden mehr als 2000 Personen mit und ohne Migrationshintergrund befragt. Wie der Sachverständigenrat nun berichtet, zeige sich in den Antworten auf die Frage, ob die Mehrheits- und Zuwandererbevölkerung „ungestört miteinander“ leben könnten, bei Zuwanderern ein deutlicher Unterschied zwischen Herbst 2009 und Jahresende 2010. Dieser Aussage stimmten 2009 nämlich noch 21,7 Prozent der Zuwanderer ‘voll und ganz’ zu. Im November und Dezember 2010, nach der Sarrazin-Debatte, bestätigten diese positive Einstellung lediglich nur mehr 9,1 Prozent. Umgekehrt habe sich der Anteil der pessimistischen Einschätzungen unter den Zuwanderern nahezu verdoppelt: So bewerteten 2009 nur 3,5 Prozent die Einschätzung eines ungestörten Miteinanders mit “gar nicht”. 2010 stieg ihr Anteil auf sechs Prozent.